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Dank Spenden kann der Raum 58 an der Kastanienallee in der Essener Innestadt nun täglich Strassenkinder aufnehmen.Im vergangenen Jahr nutzten 219 Jugendliche die Notschlafstelle. Foto: Walter Buchholz

Sie haben lange dafür gekämpft und können nun den Durchbruch vermelden: Heute ist die Notschlafstelle Raum 58 in der nördlichen Innenstadt erstmals an einem Samstag geöffnet. Bislang fehlten dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und dem CVJM Essen Sozialwerk, die die Einrichtung gemeinsam betreiben, die Mittel, um täglich (nächtlich) zu öffnen – dank großzügiger Spenden in Zukunft ist das gewährleistet.

Die Notschlafstelle an der Kastanienallee wendet sich an 14- bis 21-Jährige, die weder Zuhause noch Heimplatz haben, keine Schule besuchen und oft drogenabhängig sind.

Jugendliche müssen Vertrauen fassen

Raum 58 bietet ihnen einen Platz für die Nacht und Respekt vor ihrer Geschichte; nur wenn die Jugendlichen Vertrauen fassen und dazu bereit sind, wird auch über Therapie, Betreuung oder Wohnungssuche geredet, sagt Leiterin Manuela Grötschel. 1755 Übernachtungen hat die Einrichtung im Jahr 2012 gezählt, 219 Jugendliche nutzten das Angebot.

Der Bedarf ist demnach da, der Standort ideal: „Das Kreuzviertel liegt zentral, und die Nachbarn haben sich daran gewöhnt, dass es vor der Tür auch mal lautstarke Auseinandersetzungen gibt“, sagt SkF-Geschäftsführer Björn Enno Hermans.

Aufmerksam verfolge man nun den Wandel der nördlichen Innenstadt zum Wohn- und Kreativquartier: Zwar mache der Allbau als Vermieter keinen Druck, aber wenn sich die Nachbarschaft stark wandle, müsse der Raum 58 über einen Umzug nachdenken.

Christina Wandt

Quelle: www.derwesten.de | 05.10.2013
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Die Notschlafstelle Raum 58 im Nordviertel nimmt Jugendliche auf, ohne Forderungen an sie zu stellen.

6000 Euro hat der Lions Club Essen-Werethina an die Notschlafstelle Raum 58 gespendet. Doch die drei Lions-Herren sind am Freitag nicht in die kargen Räume an der Kastanienallee 58 im Nordviertel gekommen, um die Spende zu überbringen; sie wollen etwas über die Jugendlichen erfahren, die hier übernachten, über ihre Schicksale. Sie wollen das Projekt in Trägerschaft des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und des CVJM Essen Sozialwerk verstehen. Welches Ziel es hat, und „ob es eine Erfolgsbilanz gibt“.
Es gibt Zahlen: Etwa 160 Jugendliche in Essen haben ihren Lebensmittelpunkt auf der Straße. Für sie hält der Raum 58 sechs Betten bereit, die im Jahresschnitt zu 93 Prozent belegt sind. Ab und an werden die beiden Klappbetten gebraucht. Übernachten dürfen hier Kinder und Jugendliche bis zum 21. Lebensjahr. Sie können duschen, Kleidung waschen, bekommen Frühstück und Abendessen. Gekocht wird gemeinsam, die Jugendlichen machen die Betten. „Wir sind ja kein Hotel“, sagt Rebecca Weber, die mit Leiterin Manuela Grötschel hauptamtlich hier arbeitet. Unterstützt werden sie von Teilzeitkräften, denn jede Nacht sind zwei Betreuer im Haus. Schon für den Fall, dass die Teenager außer Kummer und Erschöpfung zu viel Wut mitbringen und die Lage eskalieren sollte.

Das Angebot ist personalintensiv, darum war das Haus bisher von Samstag auf Sonntag geschlossen: Ab 1. Oktober ändert sich das, dann öffnet der Raum 58 jede Nacht. Diesen Erfolg darf sich auch der Lions Club zurechnen, der versprochen hat, sich weiter für das Haus zu engagieren. Getreu dem Motto, in Essen zu helfen.

Im Jahr 2012 haben 219 Jugendliche in der Notschlafstelle übernachtet; trauriger Rekord. Es sind junge Menschen, die man mit den klassischen Angeboten der Jugendhilfe nicht erreicht – meist haben sie schon jede Art von Heim oder Betreuung hinter sich. Sie sind so oft enttäuscht worden, dass sie sich auf Verbindliches und feste Strukturen nicht mehr einlassen. Der Raum 58 hat eine Hausordnung, aber keine weiteren Forderungen an sie: Sie dürfen kommen wie sie sind – auch mit Suchtproblem oder Vorstrafe. Selten lasse sich einer der Teenager auf ein Anschlussangebot mit Schule oder Ausbildung ein.

Aber wie nebenbei entstehen Bindungen: „Und dann muss man aushalten können, dass die Jugendlichen austesten, ob diese Beziehung hält“, so Rebecca Weber. Erfolg ist hier, wenn Vertrauen entsteht: Wenn ein Kind nach einem Streit am nächsten Abend wieder vor der Tür steht. Wenn die 14-Jährige Ausreißerin Jahre später zu Besuch kommt, mit ihrem Baby.

Christina Wandt

Quelle: www.derwesten.de | 18.08.2013